... mit überragenden Leistungen 

Nach einem überragenden Start in den Zehnkampf baute Damian Warner (CAN) seine Führung kontinuierlich aus. Er übernachtete nach dem ersten Tag mit 322 Punkten Vorsprung und der Leader-Startnummer, welche er auch bis zum Schluss behalten konnte und sich am Ende seinen fantastischen sechsten Sieg in Götzis sicherte. Bei den Damen im Siebenkampf konnte die Ungarin Xénia Krizsán nach mehreren Führungswechseln den Sieg im Siebenkampf für sich entscheiden, gefolgt von der Niederländerin Anouk Vetter und der Amerikanerin Kendell Williams.

Einen außergewöhnlichen Wettkampf lieferte Damian Warner (CAN) vom ersten Bewerb an ab: in den 100m stürmte er mit einer Zeit von 10.14 Sekunden zu 1.062 Punkten und einer sensationellen Zeit, die nur zwei Hundertstel über seinem in Götzis 2019 aufgestellten Weltrekord innerhalb eines Zehnkampfes von 10.12 Sekunden liegt. Auch im darauffolgenden Weitsprung stellte er mit einer unglaublichen Sprungweite von 8.28m neuen Meeting-Rekord und eine neue World Combined Best Performance auf, womit er gleichzeitig die Weite aus dem Weltrekord-Zehnkampf von Roman Sebrle 2001 übertroffen hat (8.11m). Nach dem ersten Tag und fünf Bewerben lag Warner dann nicht nur deutlich voran, sondern auch die 9.000 Punkte rückten in absolut realistische Reichweite. Man spekulierte sogar mit einem möglichen neuen Meeting- oder Weltrekord – genau 20 Jahre nachdem der Tscheche Roman Sebrle erstmals die 9.000-Punkte-Schallmauer in Götzis übertroffen und einen neuen Weltrekord aufgestellt hat.

In den zweiten Tag startete er mit 4.743 Punkten und deutlichem Vorsprung auf seinen Landsmann und zweitplatzierten Pierce LePage (CAN). Gleich im ersten Bewerb des zweiten Tages fixierte er eine weitere World Combined Best Performance über die 110m Hürden mit 13.36 Sekunden. Mit einer Zeit unter 14 Sekunden konnte hier lediglich der junge Schweizer Gaio Finley (13.68 Sek.) mithalten. Auch in den folgenden Bewerben zeigte sich der Kanadier von seiner besten Seite und trotz der erschwerten Trainingsbedingungen im letzten Jahr in absoluter Topform, womit sich die Spekulationen um einen 9.000-Punkte-Wettkampf in ein realistisches Endszenario verwandelten. Im abschließenden 1.500m Lauf hieß es „All in“ für Warner: er müsste eine Zeit von knapp 4:24 Minuten laufen, um die 9.000-Punkte-Marke zu schaffen. Trotz einer unglaublich starken letzten Runde, in der Warner nochmals allen davonzog, erreichte er am Ende die 9.000er-Marke genau um fünf Punkte nicht. Mit einer abschließenden Zeit im 1.500m Lauf von 4:25.19 Minuten gewinnt er dann mit einer Vielzahl außerordentlicher Leistungen über zwei Tage und insgesamt 8.995 Punkten zum 6. Mal den Zehnkampf in Götzis. Sein Landsmann Pierce LePage belegte am Ende mit 8.534 Punkten den zweiten Rang und der Belgier Thomas van der Plaetsen wurde Dritter mit 8.430 Punkten. Der amtierende Weltmeister Niklas Kaul (GER) erreichte am Ende mit 8.263 Punkten den fünften Platz.

Auch bei den Damen im Siebenkampf wurden starke Wettkampfleistungen abgerufen. Die nach dem ersten Tag führende Amerikanerin Annie Kunz überraschte sich mit ihren Leistungen selbst, bis sie ohne gültigen Versuch im Weitsprung den Wettkampf beendete. Nachdem auch die Hauptfavoritin Erica Bougard (USA) nach einer Verletzung im Hochsprung ihren Wettkampf vorzeitig beenden musste, übernahm kurzzeitig Anouk Vetter (NED) vor der Ungarin Xénia Krizsán die Leader-Startnummer. Und nach dem entscheidenden und abschließenden 800m Lauf konnte sich Xénia Krizsán doch noch gegen die Niederländerin durchsetzen – sie gewinnt den Siebenkampf mit neuer persönlicher Bestleistung von 6.651 Punkten. Damit übertrifft sie zusammen mit Anouk Vetter auch das Olympia-Limit (6.420 Punkte) für Tokio im Sommer. Außerdem bedeutete diese Leistung für Krizsán einen neuen nationalen Rekord im Leichtathletik-Siebenkampf. Kendell Williams (USA) landet bei ihrem zweiten Antreten in Götzis mit 6.383 Punkten auf dem dritten Rang.

Vanessa Grimm (GER, 6.316 Punkte), Adrianna Sulek (POL, 6.315 Punkte) und Emma Oosterwegel (NED, 6.308 Punkte) verbesserten jeweils ihre persönliche Bestleistung und zeigten großartige Leistungen in den einzelnen Disziplinen. Stark aufgezeigt hat auch die erst 17-jährige Henriette Jaeger aus Norwegen, die mit 6.154 Punkten ebenfalls eine neue persönliche Bestleistung aufstellte und gleich zwei Patronanz-Ehrungen in den Laufdisziplinen (200m, 800m) entgegennehmen durfte. Zudem wurde sie zum „Rookie of the Year“ gekürt. Im Zehnkampf wurde der Titel „Rookie of the Year“ an den Schweizer Gaio Finley vergeben.

Auch wenn ein erneuter Meeting- oder Weltrekord im Möslestadion in Götzis noch etwas warten muss – es war ein Mehrkampfmeeting mit unglaublichen Leistungen, vielen Überraschungen, hin und wieder unerwarteten Wendungen sowie einem fachkundigen und fairen Publikum von 500 Personen pro Tag. Trotz des fehlenden Trubels in manchen Bereichen des Stadionovals haben die anwesenden Besucher/innen für ordentlich Stimmung gesorgt und die Athletinnen und Athleten offensichtlich zu Höchstleistungen und zwei Olympia-Limits angespornt.

Ein außergewöhnliches Hypomeeting Götzis/Vorarlberg ist zu Ende, die großen Emotionen und neuen Einträge in die Geschichtsbücher mit den außerordentlichen Leistungen dieses Wochenendes bleiben mit Sicherheit noch lange bestehen. 

Herzlichen Dank an alle fürs Dabeisein, Mitfiebern und Daumendrücken!